Enttäuschung pur! Unsere erste Besichtigung

Als wir ihn im Internet bei Ebay-Kleinanzeigen fanden, waren wir richtigangetan von dem Kleinen. „Andere Volkswagen T3 Wohnmobil Hochdach“ hieß die Anzeige, auf der uns ein strahlend weißer Bulli mit Hochdach und großer Staukiste für nur 7.990€ angeboten wurde. Die Bilder versprachen soweit ganz ok zu sein, der Preis lag auch in unserem Budget und genau dieses Hochdach wollten wir sowiso schon immer haben! Dazu noch diese Dachbox, alles schien soweit zu passen.

Erstzulassung war aus 1990, also auch nicht soooo alt. TÜV und AU waren auch noch bis 04/2020 gemacht. Die Ausrüstund war aufgelistet… „Kühlschrank, Spühle, Thermofenster, Fliegengitter, und vieles mehr…“ stand aufgelistet. Von irgendwelchen Schäden war nichts zu lesen.

Also dachten wir uns „warum nicht einfach mal anschschauen!“. Nachdem wir telefonisch einen Termin abgesprochen hatten, machten uns also auf den Weg nach Hamburg.

Als wir zur verabredeten Zeit ankamen, stand der Wagen bereits mit laufendem Motor auf dem Hof. Ich persönlich hätte mir den Wagen gern mit kaltem Motor angesehen. Im kalten Zustand fallen merkwürdige Motorgeräusche schneller auf. Wir gingen also zuerst ins Büro und stellten uns vor. Der Verkäufer, mit dem wir telefoniert hatten, stand erst gar nicht auf. Ich fragte ihn ob er mit raus zum Bus kommen würde. Er schickte uns aber alleine los und blieb drinnen. Wir sollten erst mal in Ruhe den Bus ansehen und danach wieder zu ihm rein kommen. Etwas irritiert gingen wir raus. Ich habe jetzt wirklich noch nicht viele Bullis bei Händlern angesehen, um genau zu sein noch gar keinen. Gewünscht hätte ich mir, dass der Verkäufer aufspringt, uns raus begleitet und uns etwas über den Bus erzählt.

Wir inspizierten also alleine. Alle Türen standen offen und es roch stark nach Abgasen. Keine Ahnung wie lange schon der Motor lief! Als erstes fiel uns der Rost am Rahmen der Windschutzscheibe auf. Hier wurde wohl einfach nur mit Lack über den Rost lackiert. Die Stoßstange vorne war auch gut angegammelt. Durch die Trittstufen konnte man an einigen Stellen sogar durchsehen. Ich kniete mich hin um mir von unten die Stufen ansehen zu können. Hier waren die Bleche gar nicht mehr zu erkennen. Am Heck kam uns die Verkleidung der Heckklappe entgegen. Da dämmte nichts mehr! Der Fußboden im Wagen kam hoch und die Laufleiste für die Schiebetür rostete auch.

Wir waren schockiert. Haben wir uns so getäuscht? Auf den Bildern der Anzeige sah doch erst alles so gut aus. Positiv müssen wir aber anmerken, dass die Camping-Ausstattung wirklich sehr gut in Schuss war und einen guten Eindruck machte.

Wir wollten nun ins Büro gehen und noch mehr über den Bulli erfahren. Der Händler müsste ja noch mehr Informationen haben. Auf dem Weg wurden wir bereits abgefangen. Der Verkäufer fragte uns ob wir eine Probefahrt machen wollen würden. Auch wenn sich unser gutes Gefühl, mit dem wir nach Hamburg gefahren sind, etwas neutralisiert hatte, so wollten wir jetzt gern mal einen zweiten Bulli fahren. Gerade der Umstand, dass dieser Bus hier ein 5-Gang Getriebe besitzt, machte uns neugierig. In Dänemark bin ich ja über 1.100 Kilometer mit dem 4-Gang Getriebe gefahren.

Die Nummernschilder bekamen wir schnell montiert und schon konnte unsere Fahrt durch Hamburgs Feierabendverkehr starten. Wir fuhren die Hauptstraße über mehrere Kreuzungen in eine Richtung, bogen dann in eine Nebenstraße und drehten dort. Zurück dann der gleiche Weg. Immer von Ampel zu Ampel, im Konvoi mit hunderten anderen Menschen die auf dem Weg nach hause fahren. Unterwegs testeten wir die Heizung und die verschiedenen Gebläsestufen. Hier funktionierte nicht eine!

Was das Schalten angeht, so ist das 5-Gang Getriebe wirklich klasse. 👍🏻 So machte selbst der Stadtverkehr in Hamburg Spaß. 😉 Nachdem wir wieder auf dem Hof angekommen waren, suchten wir das Büro erneut auf. Wir setzten uns kurz und wollten nun doch noch ein paar Infos zu dem Bulli bekommen. Das einzige was uns der Verkäufer sagen konnte war, dass der Wagen schon seit über einem Jahr bei ihm draußen im Hof steht. Sein Chef hätte ihnmal gekauft und wollte ihn restaurieren, kam aber nie dazu. Als wir ihm von den ganzen Roststellen erzählten und fragten was mit der Camping-Ausstattung sei, da sagte er, dass wohl Wasser und Gas auch nicht richtig funktionieren würden. So ganz sicher war er sich aber nicht. Er wusste nur, dass der Kühlschrank nicht laufen würde.

…war eigentlich irgend etwas heile an diesem Bus?! Ich sagte ihm, dass für den Zustand der Preis viel zu hoch sei. Plötzlich senkte er den Preis auf 6.500€. Wir hatten irgendwie aber kein gutes Gefühl mehr bei dem Bus und fuhren erst mal wiedernach hause.

Ein paar Tage später meldete ich mich noch einmal per E-Mail und teilte dem Händler mit, dass wir nicht bereit seien würden ein Preis von über 3.000€ zu zahlen. Seitdem haben wir nichts mehr von diesem Händler gehört.

Das war also unsere erste Erfahrung mit einem kleinen Händler. Hattet ihr so etwas auch schon auf eurer Suche nach eurem Reisebus oder Reisemobil erlebt? Schreibt doch mal in den Kommentaren.

3 Kommentare zu “Enttäuschung pur! Unsere erste Besichtigung

  1. Das kommt uns sehr bekannt vor. Erstaunlich was uns damals für Schrottmühlen angeboten wurden.
    Unseren Bus fanden wir dann bei Privaten und wir treffen uns jedes Jahr mit den Vorbesitzern. Das sagt ja wohl genug aus. Liebe Grüsse Asu und Ernst

  2. Ojemine da hat nicht nur das Bauchgefühl vom Empfang an nicht gestimmt, sondern das ganze Fahrzeug leider nicht. Man merkt aber definitiv, ihr habt euch informiert und geht nicht blind an die Sache heran. Ich drücke euch weiterhin die Daumen und freue mich, die „Reise“ zum Bullikauf und erst recht die Reisen danach zu verfolgen =)

    PS: Tolle Art die Fotos in den Blog einzubauen.

  3. Vielleicht sollten die diesen Bulli als genau das anpreisen, was er ist: ein nicht beendetes Sanierungsprojekt, dann auf alle Mängel hinweisen und einen fairen Preis machen. Die scheinen aber eher zu hoffen, dass jemand blind genug ist, den Bulli sofort zu kaufen, und ihm erst deheim auffällt, wie rott der ist..

    Drücke euch die Daumen, dass ihr „euren“ Bulli bald findet!

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